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Ozempic aus Sicht eines Personal Trainers

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Haftungsausschluss: Es ist wichtig, dass du dir vor der Nutzung von GLP-1-Analoga oder GLP-1-Rezeptoragonisten ärztlichen Rat einholst. Dieser Artikel soll dir nur die Perspektive eines Personal Trainers auf GLP-1-Medikamente bieten. Er sollte auf keinen Fall als medizinische Beratung angesehen werden.

Das vielleicht kontroverseste Thema der Fitnessbranche sorgt immer wieder für hitzige Debatten darüber, was erlaubt und was „schummeln“ ist. Genau – die Rede ist von Medikamenten auf Basis von GLP-1-Analoga beziehungsweise GLP-1-Rezeptoragonisten, besser bekannt unter ihren Handelsnamen Ozempic und Wegovy.

Diese Medikamente wurden ursprünglich entwickelt, um Diabetes zu bekämpfen. Wie sich allerdings gezeigt hat, können sie auch beim Abnehmen helfen. Aber ist das der falsche Weg – oder sogar ein gefährlicher? Für einige Menschen sind die Medikamente absolut tabu, andere wiederum beschreien sie als die Lösung für die Fettleibigkeitskrise und als Weg zu langfristiger Fitness für alle.

Die Wahrheit? Es kommt auf deine Umstände an. Und nicht dein Personal Trainer, sondern eine medizinische Fachkraft sollte einschätzen, ob und in welchem Umfang du Medikamente wie Ozempic nutzen solltest. Letztendlich ist die Aufgabe eines Trainers, seine Schützlinge auf dem Weg zu ihren Zielen zu informieren, unterstützen und begleiten.

Wir haben uns an unseren Trainingsprofi Christian Soetebier gewandt, um seine Sicht auf GLP-1-Medikamente zu bekommen und beide Standpunkte der Debatte abzuwägen.

Die guten und schlechten Seiten von Ozempic & Co

Das Gute daran

Zuerst schauen wir uns an, wie GLP-1-Medikamente auf den Körper wirken. Einfach ausgedrückt, imitieren sie ein Hormon des menschlichen Körpers, das bei Menschen mit hohem Körpergewicht oder Fettleibigkeit weniger aktiv ist.

GLP-1-Medikamente unterstützen die Insulinausschüttung (was wiederum den Blutzuckerspiegel senkt) und wirken appetithemmend. Zum Teil liegt das daran, dass die Entleerung der Mageninhalte verlangsamt wird. Du fühlst dich also länger satt.

Und das wiederum reduziert das Risiko für blutzuckerbedingte Schäden wie entzündliche Prozesse oder erhöhten Blutdruck. Beides wird bei (Prä-)Diabetikern oft festgestellt.

Besonders durch den appetitzügelnden Effekt ist es leichter, weniger zu essen – ohne sich mit quälendem Hunger rumschlagen zu müssen. Der ist nämlich einer der Hauptgründe dafür, dass viele Abnehmwillige wieder rückfällig werden.

Hinzu kommt, dass die Einnahme eines Medikaments wenig bis keine Anstrengung erfordert (anders als Sport). Es bleiben also mehr Leute dran, denn man braucht im Vergleich zum Fitnessstudio oder dem Kochen eines kalorienarmen Gerichts nur sehr wenig Willenskraft.

Das nicht so Gute daran

Auch, wenn die Einnahme von GLP-1-Medikamenten gewisse Vorteile mitbringt, heißt das nicht, dass es nicht auch Risiken gibt. Genau wie bei allen Arzneimitteln kann es auch hier zu einer Reihe von Nebenwirkungen kommen, zum Beispiel:

  • Verdauungsprobleme wie Übelkeit oder Erbrechen
  • Benommenheit, Schwindel und andere Probleme, die mit dem Blutdruck in Verbindung stehen
  • Mögliche allergische Reaktionen wie Schwellungen, Ausschläge, Juckreiz oder sogar Probleme mit dem Schlucken oder Atmen
  • Erkältungsähnliche Symptome

Falls du ein solches Medikament nutzt, achte auf jegliche negative Symptome und stelle dich bei Auftreten der Anzeichen sofort ärztlich vor. Wenn du mit einem Coach oder Personal Trainer arbeitest, sag ihm oder ihr unbedingt sofort Bescheid, wenn du dir unsicher bist oder dich während einer Trainingseinheit nicht gut fühlst.

Mit dem richtigen Behandlungsplan und der Begleitung durch medizinisches Personal und Adipositas-Fachkräfte können diese Probleme bewältigt werden. Achte auf deinen Körper und ergreife bei Bedarf Maßnahmen.

Wann macht es Sinn, solche Medikamente einzunehmen?

Leider lässt sich die Frage, ob man eine neue Arznei wie Ozempic einnehmen sollte oder nicht, nicht ganz so leicht beantworten.

Auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen: Wie bei allen Gesundheitsthemen ist auch diese Frage 100% individuell und sollte gemeinsam mit deiner medizinischen Fachperson beantwortet werden. Es gibt keine allgemeingültige Empfehlung, auch nicht, wenn du leicht übergewichtig bist.

Jedoch gibt es bestimmte Fälle, in denen eine unterstützende Medikation beim Gewichtsverlust viel Sinn ergeben kann. Das könnte zum Beispiel jemand sein, der wirklich ernsthaft versucht hat, sein Leben deutlich zu ändern – keine hochverarbeiteten Lebensmittel mehr, möglichst viel vollwertige Nahrung wie Obst und Gemüse und regelmäßiges Training – und trotzdem tut sich nichts. Und das nicht, weil die Person es nicht versucht hat – sondern weil Adipositas eine multifaktorielle Erkrankung ist.

Oder vielleicht hat man sich auch einfach festgefahren. Was, wenn du viel zu tief in der Negativspirale der Fettleibigkeit drinsteckst? Dein Energielevel ist unterirdisch und deine Willenskraft aufgebraucht. Selbst kleinste Ernährungsumstellungen oder die simpelste Trainingsroutine sind für dich undenkbar.

In solchen Fällen können Medikamente wie Ozempic die Tür einen kleinen Spalt öffnen, sodass du loslegen und dich auf den Weg in die richtige Richtung machen kannst.

Risikomanagement und Nachhaltigkeit

Abnehmmedikamente sind mehr als ein Pflaster. Sie geben Menschen die Chance, Gewicht zu verlieren und ihre Gesundheit zu verbessern – mit minimalem Aufwand.

Und es kann wirklich ein guter Weg sein, Leute an einen gewissen Startpunkt zu bringen. Trotzdem sind Arzneimittel wie Ozempic auf lange Sicht nicht nachhaltig. Wie oben schon erwähnt, gibt es jede Menge riskante Nebenwirkungen von GLP-1-Medikamenten und sie sollten nicht als dauerhafte Lösung zur Gewichtskontrolle angesehen werden.

Ohne den Lebensstil zu verändern, kann sich jeder mit diesen Medikamenten erzielte Fortschritt ganz schnell wieder in Luft auflösen. Was passiert, wenn die Medikamente plötzlich aus dem Sortiment genommen werden?

Genau deshalb ist es wichtig, den Gründen für die Gewichtszunahme wirklich auf den Grund zu gehen. Mit GLP-1-Medikamenten kannst du vielleicht die Symptome von Diabetes lindern und deine Gewichtsabnahme unterstützen. Aber damit arbeitest du nicht an den eigentlichen Ursachen für die Extrakilos.

Häufig liegt die Wurzel des Problems im Lebensstil begründet und viele Leute hängen für immer in diesem ungesunden Kreislauf aus anderen physiologischen Faktoren fest, die ein Ausbrechen schwierig machen.

Auch, wenn müheloses Abnehmen mit GLP-1-Medikamenten verlockend klingt, sollte das Problem immer ganzheitlich angegangen werden. Sie sollten mit effektiven und nachhaltigen Veränderungen des Lebensstils kombiniert werden. Nur so baust du gesunde Gewohnheiten auf, die dich davon abhalten, wieder in alte Routinen zu verfallen, die dich und deine Gesundheit einschränken.

Das Beste daran? Wenn deine neue Ernährungsweise und Trainingsroutine dir erst mal in Fleisch und Blut übergegangen sind, wirst du die Ergebnisse der Medikamenteneinnahme lange halten können, und zwar auch nach dem Absetzen.

Noch mal in Kürze

Riskant? Schummelei? Zu Recht gehypt? In Wahrheit ist die Nutzung einer neuen Abnehm-Arznei wie Ozempic nicht schwarz oder weiß.

Medikamentöse Eingriffe wie diese können in den richtigen Händen und bei den richtigen Patienten, die alle „traditionellen“ und nachhaltigen Wege zum Gewichtsverlust erschöpft haben, wirksame Helfer sein.

GLP-1-Medikamente sind einfach in der Handhabung und erfordern minimalen Einsatz, weisen aber auch eigene Risiken auf – denn sie zielen vor allem auf die Symptome von Fettleibigkeit ab, aber nicht auf die Grundursachen. Letzten Endes ist der beste Ansatz für den Gewichtsverlust, sich auf die Basics zurückzubesinnen: eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung.

Wenn du dich darauf konzentrierst, Schritt für Schritt kleine, neue, gesunde Gewohnheiten aufzubauen, wird aus dem steinigen Weg ganz schnell ein Pfad zum Erfolg, den auch du beschreiten kannst.

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